Die Digitalisierungsmaßnahmen im österr. Bildungssystem haben viel mit dem Ankauf vergleichsweise teurer Hard- und Software zu tun. Ein pädagogisches Gesamtkonzept, in dem die Hard- und Software gezielt für die Erlangung von Wissen und Fertigkeiten eingesetzt wird, konnte ich auch nach umfangreichen Recherchen nicht herausfiltern. Oft wirkt es so, als ob die meist teure Hardware einfach aufgepropft wird. Die Lehrer werden schon was damit machen. Es wurde was im Bereich Digitalisierung gemacht.
Dabei sollte das Ziel sein Konzepte zu entwerfen, damit Technologien wie Computer und Software tatsächlich einen pädagogischen Mehrwert darstellen und nicht einfach klassische Methoden, wie Schreiben, Lesen und Rechnen durch Herumklicken ersetzen. Das hat zudem fatale Auswirkungen auf das spätere Leben der Kinder, da Grundfertigkeiten nicht vorhanden sind. Man hört ja genug davon. Auch gehen vielfach haptische Erfahrungen verloren, was schlecht für die Körperkontrolle ist.
Verwendet werden fast ausschließlich Windows oder IOS (Apple) basierte Geräte, dazu natürlich entsprechende Software Tools. Die dabei entstehende Abhängigkeit von großen Herstellern und Anbietern ist nicht zielführend, auch wenn manche dabei gut verdienen. Die Kosten und der Adminstrationsaufwand sind viel zu hoch. In Zeiten in denen die Bevölkerung extrem sparen und hohe Steuern zahlen muss, die Lebenserhaltungskosten untragbar sind, sollten andere Möglichkeiten nicht nur erwägt, sondern ernsthaft umgesetzt werden. Dabei bietet gerade Open Source genau das Potenzial, um im Bereich Bildung andere Wege zu gehen. Die Vorteile sind gewaltig.
Über Digitalisierung habe ich bereits geschrieben, siehe hier und hier.
Linux Distributionen
Wenn man das Thema Open Source ernsthaft im Bildungsbereich umsetzen möchte, dann ist der erste Schritt die Verwendung von Linux … neben dem Einsatz von günstiger, stabiler Hardware.
Für den Bildungsbereich wurden mehrere Distributionen zusammengestellt, die den Unterricht optimal unterstützen und die auf Basis der Zusammenarbeit mit Schulen entwickelt wurden. Folgend ein paar Beispiele.
Puavo
Puavo ist eine zuverlässige, stabile Gesamtlösung auf Basis Linux. Das System läuft auf allen Endgeräten und Servern. Zahlreiche erprobte Tools für die Lern- und Lehrunterstützung, Kollaboration und Verwaltung werden zur Verfügung gestellt. Kinder können etwa gemeinsam an Dokumenten arbeiten. Der Anbieter stellt bei Bedarf auch die Hardware zur Verfügung genau wie Onlinedienste und Support. Die Zusammenarbeit mit vielen Schulen führt zur laufenden Optimierung. Im Landkreis Harz, Deutschland, wurde ein bezirksweites Projekt mit 33 Schulen und 17.000 ! Accounts umgesetzt. Die Schülerzeitung wird von Anfang an mit dem System erstellt. Natürlich wird die DSGVO eingehalten, die Daten sind sicher, kein unkontrollierter Datenabfluß zu amerikanischen Servern. Kein Ärger mit Updates, Ausfällen, Viren, Hackerangriffen oder den sonstigen üblichen Problemen. Der besondere Erfolg: Stabilität, niedrige Kosten, lange Laufzeit der Hardware, begeisterte Schüler und Lehrer. Mehr dazu hier.
LiFE
LiFE ist ein für den Bildungsbereich angepasstes Linux mit vielen Tools für die Lehre. Das System geht auf eine Initiative mehrerer österr. Lehrer zurück, die den Verein OSOS (Open Source Open Schools) gegründet haben und „Freie Open Source Software für die Schule“ fördern wollen, eine imho für Österreich sehr ungewöhnliche Initiative weil untypisch.
Edubuntu
Edubuntu basiert auf Ubuntu, der verbreitetsten und bekanntesten Linux Distribution. Edubuntu zeichnet sich durch einfache Bedienung aus. Zahlreiche Tools für Mathematik, Astronomie, Chemie, Physik, Geopgraphie sind im Paket enthalten. Sogar ein einfaches CAD Programm steht zur Verfügung. Hier erfahren Sie mehr darüber (englisch).
DFK-Soft Linux Stick
Auf dem DFK-Soft Linux Usb-Stick ist ein aktuelles Linux installiert, einstecken und booten. Es wird nichts auf die Festplatte installiert, alles ist vorkonfiguriert. Neben den Standard Programmen wie Browser, Mail, Office, Grafik und Video sind auch Lernprogramme vorinstalliert.
Fazit
Das ist nur eine kleine Auswahl an Linux Distributionen für den Bildungsbereich, es gibt noch viel mehr. Mit der Verwendung von Linux in Schulen kann viel Geld gespart werden. Die Geräte müssen nicht wie üblich alle 3 Jahre getauscht werden, wobei von den Eltern immer ein Selbstbehalt von 25% verlangt wird. Die Lösungen sind nachhaltig und optimiert für den Unterricht.
Kinder können damit ihrer Kreativität freien Lauf lassen ohne dass die Eltern befürchten zu müssen, dass deren persönliche Daten auf irgendwelchen ausländischen Servern landen. Diese Systeme sind sicher. Es besteht keine Gefahr, dass Missbrauch oder Updates alles lahm legen. Wenn Sie Kinder haben bestehen Sie darauf, dass die Schulen sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigen, bestehen Sie auf die Verwendung von Linux.
Bei den Links können Sie noch weiter schmökern. Es ist wenig vorstellbar, dass Linux überhaupt an einigen österr. Schulen angenommen wurde, aber ein paar gibts, genau 4. Förderungen gabs natürlich keine.
Interesse geweckt?
Falls Sie Interesse haben Linux an ihrer Schule einzusetzen können Sie die Schulen, die Linux verwenden, direkt kontaktieren. Ich kann Sie dabei kostenlos unterstützen. Bei Fragen können Sie mich gerne direkt kontaktieren.
Der Artikel wurde auch auf meinem Blog veröffentlicht.
Beiträge zum Thema Open Source:
Schulen, an denen Linux verwendet wird:
Links:
- Linux-Magazin: Test – Linux-Systeme für den Bildungssektor
- netzpolitik.org: Warum-Schulen-und-Freie-Software-gut-zusammenpassen
- Linux-Magazin: Schulinformationssystem Aleksis
- Finger weg von Microsoft 365 in Schulen!
- BW startet Open Source Projekt
- BW: Informatiker warnen vor M365 an Schulen
- Linux-Community: Debian-Edu-Linux
- Linux for Education
- Educloud
- Lernstick
- Edubuntu
- Nextcloud
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